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Berichte & Fotos: 8. Mai 2018 in Pankow-Buch – Gedenken an die Befreiung

8. Mai 2018 in Pankow-Buch – Gedenken an die Befreiung

Rund 120 Antifaschist*innen gedachten am 8. Mai 2018 in Pankow-Buch der Befreiung vor 73 Jahren. Dazu fand im Bucher Bürgerhaus eine Veranstaltung mit Film, Diskussion und Ausstallung statt und danach sangen Chöre am Sowjetischen Ehrenmal. Die NPD hatte zuvor eine Kundgebung neben dem Mahnmal abgehalten und versuchte danach erfolglos die Veranstaltung im Bürgerhaus zu provozieren.
Weiterhin unten findet ihr einen ausführlichen Bericht zum Tag und zur Entwicklung der Nazi-Szene in Pankow-Buch in den letzten Jarhen.
Weiterhin dokumentieren wir an dieser Stelle Recherche-Artikel, Fotos und Presse-Artikel.

Ankündigung: 8. Mai – Gedenken an die Befreiung in Pankow-Buch

Recherche: 08.05.2018 – NPD-Kundgebung in Buch (Antifa Berlin)

Fotos:
08.05.2018 Tag der Befreiung in Berlin-Buch (Kim Winkler)
08.05.2018 – NPD/JN-Kundgebung in Berlin-Buch (Oskar Schwartz)

Presse:
»Die Polizei lässt sich an der Nase herumführen« (Junge Welt / 07.05.2018)

 


 

8. Mai 2018 – Antifaschistisches Gedenken an die Befreiung in Pankow-Buch

Am Dienstag, dem 8. Mai 2018 nahmen rund 120 Menschen an der Gedenkveranstaltung zum 73. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus teil. In diesem Jahr konnte das Gedenken würdig stattfinden, jedoch musste dies auch erkämpft werden. Es ist nicht das erste Mal, dass es am 8. Mai in Pankow-Buch Versuche Seitens der Polizei und Nazis gab, eine würdige Gedenkveranstaltung zu stören oder gar zu verhindern. Während das Gedenken am Sowjetischen Ehrenmal bereits seit vielen Jahren vor allem von der Partei Die LINKE getragen wird, hat sich in den letzten drei Jahren ein lokales Bündnis gebildet, das die Veranstaltung nun versucht im größeren Rahmen umzusetzen. Zu diesem gehören kontinuierlich Die LINKE Pankow, der VVN-BdA Pankow und wir, als North-East Antifascists [NEA]. Dabei kam es immer wieder zu Herausforderungen, welche wir hier nun kurz nachzeichnen wollen.

Pankow-Buch: Hat schon sehr lange ein braunes Problem

Die NPD Pankow, auch wenn sie sich auf dem absteigenden Ast befindet, begreift Buch seit 2013 als ihr Schwerpunktgebiet bzw. ihre „Home-Zone“. Seit der Neonazi-Kader Christian Schmidt nach Buch gezogen ist, begann er damit den damals fast inaktiven Kreisverband zu reaktivieren. Das mit Erfolg: Er organisierte jugendliche Neonazis, welche schon länger durch selbstgemachte, zumeist NS verherrlichende Sticker und Sprühereien, aufgefallen waren. In den folgenden Jahren kam es dann auch immer wieder zu Bedrohungen und Angriffen auf Linke, SPD’ler und auf Menschen, die die Nazis als „nicht-deutsch“ kategorisiert hatten. Auch versuchte die NPD-Pankow 2014 rassistische Anti-Geflüchteten-Proteste zu organisieren, ähnlich wie in Hohenschönhausen, Marzahn und Köpenick zu dieser Zeit. Anfangs gelang es der NPD dort regelmäßig Demonstrationen durchzuführen, welche jedoch nach antifaschistischen Aktionen aufgegeben wurden. Auch konnten sie mit ihren winzigen Kundgebungen bald keine Resonanz mehr erzielen und fuhren ihre Aktivitäten wieder auf Sticker, Sprühereien und Bedrohungen zurück. So geschehen auch gegen das Bucher Bürgerhaus, wo 2015 eine Veranstaltungsreihe zum Thema Flucht & Migration stattfand. 2016 ereignete sich dann ein Brandanschlag auf die Geflüchteten-Unterkunft in der Groscurthstraße. Das Klima ist in Pankow-Buch, insbesondere für nicht-weiße Menschen weiterhin beängstigend. So kommt es bis heute zu Bedrohungen und Beleidigungen gegenüber Geflüchteten und Migrant*innen.

Das Gedenken am Sowjetischen Ehrenmal und die Staatsgewalt

Ein besonderer Dorn im Auge der Nazis war jedoch immer das Befreiungsgedenken am 8. Mai vor dem Sowjetischen Ehrenmal. Auch wenn die NPD in Buch gerade keinen Zulauf mehr erhält, ist dieser Tag für die Nazis von besonderer Bedeutung und eine der letzten öffentlichen Aktionen im Jahr. So kam es bis 2015 in der Nacht vor dem 8.Mai am Denkmal immer wieder zu Sprühaktionen mit geschichtsrevisionistischen Inhalten durch die Nazis. 2014 provozierten sie die Gedenkveranstaltung, in dem sie versuchten durch die Kundgebung zu laufen. Im darauf folgenden Jahr kam es zu keinen nennenswerten Aktionen. Hier stach jedoch die Polizei hervor, die es nicht lassen konnte, nach dem Gedenken noch eine Person festzunehmen (wegen angeblichem Sticker kleben) und griff dabei die Antifaschist*innen, welche gerade auf dem Rückweg zum S-Bahnhof waren, an. 2016 ereigneten sich dann die skandalösesten Vorgänge im Rahmen eines Gedenkens an die Befreiung. Die Polizei zeigte sich sich zu dieser Zeit unwissend über Christian Schmidt bzw. darüber, dass es überhaupt ein Nazi-Problem in Buch gäbe. So gestand die Polizei der NPD das Erstanmelderrecht zu, womit ein Gedenken von antifaschistischer Seite verunmöglicht werden sollte. Wir reagierten mit einer Demo und Gegen-Kundgebung, welche über 100m vom Mahnmal entfernt stand. Die NPD konnte die Polizei an der Nase herumführen und tauchte erst nach unserer Ankunft auf und gingen auch erst wieder nach unserer Abreise. Erst nach langer Diskussion, unterstützt durch die Parlamentarier*innen Elke Breitenbach und Hakan Taş (Die LINKE), war es überhaupt möglich in 4er-Gruppen Blumen am Mahnmal niederzulegen. Die NPD konnte dabei in aller Ruhe die Gruppen abfotografieren. Die Polizei tat nichts dies zu unterbinden bzw. kam auch ein Interessensausgleich nicht in Betracht. Nicht, dass wir uns auf die Staatsgewalt verlassen würden, nur gehört zu diesem Vorgehen entweder Vorsatz oder eine unglaubliche Packung Dummheit. Ein würdiges Gedenken war somit nicht möglich und insbesondere für die älteren Genoss*innen, darunter NS-Überlebende, war dies unzumutbar. Im nächsten Jahr vergab die Polizei das Erstanmelderrecht an das Gedenk-Bündnis. Die NPD meldete eine Gegenveranstaltung an und die Polizei ließ diese nur wenige Meter neben unserer Gedenkveranstaltung stattfinden, im Gegensatz zu unserer Veranstaltung im Jahr zuvor, welche 100 m entfernt stehen musste. Auch war die Polizei sich nicht zu blöde einen „organisatorischen Hinweis“ in eine Schweigeminute zu blöken. Die Staatsmacht war also immer darauf bedacht, den Nazis den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten.

2018: Wir gedenken und wir entscheiden wann & wie!

So wollte das Bündnis auch in diesem Jahr wieder ein Programm vor dem Ehrenmal stattfinden lassen. Jedoch zwei Monate vor dem 8. Mai kam durch zivilgesellschaftliche Recherchen heraus, dass die NPD im diesem Jahr wieder das Erstanmelderrecht erhalten würde und das Mahnmal für ein Gedenken blockieren kann. Es drängte sich der Verdacht auf, dass die Behörden hier mehr als willkürlich handelten. Eine Presseanfrage durch die linke Tageszeitung Junge Welt bestätigte dies dann auch. Auch sollte unsere Kundgebung wieder in weiter Entfernung vom Denkmal stattfinden und das Ablegen von Blumen und Kränzen wieder nur in Kleingruppen möglich sein. Nach den unwürdigen Erfahrungen aus dem Jahr 2016 kam dies für uns natürlich nicht in Frage. Somit verlegten wir die Veranstaltung in das Bucher Bürgerhaus, auch um nochmals unsere Solidarität mit der Einrichtung auszudrücken, welche ebenfalls schon oft von Seiten der Nazis angegriffen wurde. Während der Veranstaltung gab es eine Ausstellung zur Schönholzer Heide, einen Film, Diskussion und Redebeträge u.a. von Elke Breitenbauch (Die LINKE) und dem VVN-BdA Pankow. Bereits am frühen Morgen, gegen 08:00 Uhr fand ein kleines, stilles Gedenken statt. Dabei legten bereits Die LINKE Pankow, der VVN-BdA Pankow und die DKP Pankow Kränze ab, unterstützt wurden sie dabei von ca. 30 Bürger*innen. Somit lagen bereits Blumen und Kränze vor Ort, als die NPD eintraf. Die NPD mobilisierte erst am Tag zuvor zu ihrer Veranstaltung. Jedoch wussten sie selbst nicht wann wir zum Denkmal kommen würden bzw. ob wir das überhaupt machen. Somit begannen die Nazis bereits um 13:30 Uhr mit ihrer Kundgebung in einem Gitter neben dem Denkmal und einer Straße, welche durch Bauarbeiten zur Hälfte gesperrt war. Öffentlichkeit erhielten sie somit nicht und die Nazis mussten sich damit begnügen ihre Veranstaltung für eines ihrer Videos schönzureden. An der Kundgebung nahmen, neben Christian Schmidt, auch die Bucher bzw. Pankower Neonazis Fabian Knop, Stefan Seidel, Markus Bischoff, Dennis Casper und Ronny Döbel teil. Außerdem Neonazis aus Hellersdorf wie René Uttke, Andreas Käfer, Patrick Krüger und Nadine Leonhard, der Lichtenberger JNler Enrico Gase, der ehemaligen HDJler Michael Gehler und zwei griechischen Neonazis der Kampfsport-Crew „Pro Patria“ (Bilder siehe hier). Außerdem war der Barniemer NPD-Funktionär Marcel Zech anwesend, der durch den Prozess um sein KZ-Rücken-Tattoo medial bekannt wurde. Ronny Döbel und ein weiterer Neonazi sollten die Umgebung nach Antifaschist*innen absuchen. Nach einigen Stunden gelangweilt in der Sonne stehend, machten sich die Nazis frustriert auf zum Bucher Bürgerhaus um dort noch erfolglos zu provozieren. Zeitgleich zum Losgehen der Nazis besetzten rund 20 Antifaschist*innen das Denkmal um ein späteres Gedenken am Mahnmal zu ermöglichen. Vor dem Bürgerhaus sprühte Christian Schmidt noch „Wir feiern nicht“ mit Sprühkreide auf den Boden, eine ältere Genossin entferne kurzerhand das „nicht“. Der Frust der Nazis muss sehr groß gewesen sein, anders lassen sich die Twitter-Meldungen der NPD-Pankow nicht erklären, außer vielleicht noch mit totalem Realitätsverlust. Aber geschenkt. Am Ende zog die NPD ab und die Teilnehmer*innen der Veranstaltung im Bürgerhaus gingen zum Mahnmal rüber, wo sie bereits von den Antifas erwartet wurden. Am Ende sangen noch Chöre vor dem Mahnmal und es wurden Blumen und Kränze abgelegt. Ein würdiges Gedenken konnte so für alle ermöglicht werden. Die NPD Pankow mag zwar die Polizei verarschen können, jedoch sind ihre Schritte so vorhersehbar, dass es ein Leichtes war, die Nazis ins Leere laufen zu lassen. Kurz gesagt: Wir können euch besser verarschen! Noch am selben Abend verwüsteten die Nazis die Kränze und Blumen. Als diese am nächsten Morgen von Mitgliedern von Die LINKE wieder hergerichtet wurden, kam Christian Schmidt vorbei und kündigte an, dass die Kränze bald zerstört werden. Die Drohung wurde vorerst nicht in die Tat umgesetzt, so sollte es noch bis zum Wochenende dauern, bis sich die Nazis wieder an den Blumen und Kränzen zu schaffen machten. Auch die Pankower AfD ließ es sich nicht nehmen und versuchte die Veranstaltung zu diskreditieren, indem sie im Nachgang, den angekündigten Auftritt des Bezirksbürgermeister Sören Benn (Die LINKE) als einen Beleg für angebliche Seilschaften ins Bezirksamt Pankow sahen. Es sollte ihnen nicht gelingen und der, von der AfD erhoffte, Skandal blieb einfach aus.

Abschließend lässt sich festhalten, dass das Gedenken würdig durchgeführt werden konnte. Die NPD ist inzwischen so vorhersehbar, dass weder sie noch die Staatsgewalt unser Gedenken verhindern konnten. Wir werden auch in Zukunft nicht darauf vertrauen oder warten, dass uns irgendwer erlaubt, der Befreiung zu gedenken! Wie und wann wir gedenken entscheiden am Schluss wir und wenn am Ende die NPD noch doof aus der Wäsche guckt, ist das noch ein Bonus. Jedoch schulden wir es den Befreier*innen, dass wir auch noch heute um ein würdiges Gedenken kämpfen und Nazis, egal wo sie auftauchen, bekämpft werden. Auch wenn dieser Tag ein Erfolg für uns war, darf dies nicht über die immer noch reale, rassistische Gefahr in Buch hinwegtäuschen. Wir werden wieder kommen, denn Buch bietet dafür leider immer wieder Anlässe. So haben wir am 23. Mai Dieter Eicht gedacht, welcher im Jahr 2000 von Neonazis in seiner Wohnung ermordet wurde da er Sozialhilfe empfangen hatte.

In diesem Sinne: Erinnern heißt kämpfen!
Kein Raum für NPD & AfD!
Siempre Antifascista!

North-East Antifascists [NEA] – Juni 2018
www.antifa-nordost.org

 


 

08.05.2018 – NPD-Kundgebung in Buch

An einer, von der Pankower NPD organisierten, Kundgebung am sowjetischen Ehrenmal in Berlin-Buch nahmen am 8. Mai von 14 bis 17 Uhr 24 Neonazis teil. Sie rekrutierten sich hauptsächlich aus dem Pankower Verband. Mit dabei waren die Pankower Christian Schmidt, Fabian Knop, Stefan Seidel, Markus Bischoff und Dennis Casper.

Unterstützung erhielten sie von mehreren Hellersdorfer Neonazis (unter anderem René Uttke, Andreas Käfer, Patrick Krüger, Nadine Leonhard), dem Lichtenberger JNler Enrico Gase, dem ehemaligen HDJler Michael Gehler und zwei griechischen Neonazis der Kampfsport-Crew „Pro Patria“. Als Kundschafter waren zusätzlich zwei Bucher Neonazis (Ronny Döbel und Nr. 26) unterwegs.

Im Anschluss an ihre Kundgebung lief ein großer Teil der NPDler zum Bürgerhaus Buch, wo eine antifaschistische Veranstaltung mit 100 Menschen stattfand. Sie versuchten dort die Anwesenden zu provozieren. Schmidt schrieb mit Kreide „8. Mai 1945 – Wir feiern nicht“ auf den Gehweg und drehte ein Video für die lokale NPD-Seite.

Währenddessen nahmen weitere Antifaschist_innen das sowjetische Ehrenmal in Beschlag. Die Teilnehmer_innen der Bürgerhaus-Veranstaltung gesellten sich zu ihnen, so dass schließlich ein Gedenken am Ehrenmal mit mehr als 100 Menschen stattfand.

Quelle: www.antifa-berlin.info/recherche/1474-08052018—npd-kundgebung-in-buch

 


 

08.05.2018 Tag der Befreiung in Berlin-Buch

Am 08.05.2018 gedachten über 100 Personen an die Befreiung vom Faschismus in Gestalt des historischen Nationalsozialismus durch die Rote Armee. Vorausgegangen ist eine Veranstaltung im Bucher Bürgerhaus zur Befreiung vom Faschismus. Die NPD hatte eine Kundgebung vor dem sowjetischen Ehrenmal in Berlin-Buch angemeldet, verlies diese aber vorzeitig. Einige Kundgebungsteilnehmer der NPD zogen weiter, um die Veranstaltung am Bucher Bürgerhaus zu stören. Zeitgleich besetzen Antifaschist*innen das sowjetische Ehrenmal und hielten dort ein Gedenken ab.

Fotos 1-11: www.flickr.com/photos/156669795@N08/sets/72157694880347531
Foto 12: www.twitter.com/antifanordost

 


 

08.05.2018 – NPD/JN-Kundgebung in Berlin-Buch

Vorgeblich um an die deutschen Opfer zu gedenken, veranstaltet die NPD/JN Pankow in den letzten Jahren eine Kundgebung am sowjetischen Ehrenmal in Buch. Auch dieses Jahr wieder einmal. In den kurzen Redebeiträgen, jeweils der Selbe, mehrmals gelesen von Christian Schmidt(NPD/JN Pankow) und Andreas Käfer (NPD Marzahn-Hellersdorf, Vorsitzender NPD Berlin), wird aber schnell deutlich, was das eigentliche Anliegen ist: „Wir sind stolz darauf, dass unsere Mahnwachen Kommunisten, Sozialdemokraten und sonstige Vaterlandsverräter von hier vertrieben haben“.
Circa 20 Personen nahmen an der Mahnwache teil. Unter anderem auch 2 Vertreter von „Pro Patria Fight Club“ aus Griechenland, welche eng mit der „Goldenen Morgenröte“ verbunden sind.

Fotos 1-3: www.twitter.com/antifanordost
Fotos 4-44: www.flickr.com/photos/141770272@N07/sets/72157668755718378
Foto 45: www.twitter.com/antifanordost

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