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Weißensee: Die Nazi-Anwaltskanzlei Wolfram Nahrath

Weißensee: Die Nazi-Anwaltskanzlei Wolfram Nahrath

Am 1. April 2016 findet in Berlin-Weißensee die Auftaktdemo der Kampagne »Kein Raum der AfD!« statt. Die vom Berliner »NIKA«-Bündnis organisierte Demo richtet sich neben den lokalen AfD-Treffpunkten auch gegen Infrastruktur der organisierten Naziszene. Einer dieser Spots soll im Vorfeld vorgestellt werden.

Die Nazi-Anwaltskanzlei Wolfram Nahrath

Bizetsraße 24
13088 Berlin
Weißensee

»Als weiteren Redner können wir Rechtsanwalt Wolfram Nahrath begrüßen, der Vorsitzender der 1994 verbotenen Wiking-Jugend war, welche zuvor durch seinen Vater Wolfgang Nahrath geführt wurde. Nahrath, der Mitglied in der NPD ist, ist durch seine brillanten Reden bekannt und darüber hinaus als Anwalt in vielen Prozessen gegen Nationale Aktivisten.«
(»In.Bewegung 2013« – Das politische Fest der Nationalen)

Der Nationalsozialismus hat in der Nahrath-Sippe eine lange Tradition. Wolfram Nahraths Vater Wolfgang Nahrath kam aus einem streng nationalen Elternhaus und war während des Deutschen Faschismus mit 15 Jahren Jugendführer des „»Deutschen Jungvolks«“. Außerdem war Wolfgang Nahrath Gründungsmitglied der 1994 verbotenen »Wiking-Jugend« (WJ), deren Bundesführerschaft er 1961 übernahm und 1991 seinem Sohn Wolfram Nahrath übertrug. Wolframs Großvater Raoul Nahrath war deren zweiter „Bundesführer“. Die verbotene WJ sowie deren Nachfolger, die »Heimattreue Deutsche Jugend« (HDJ) standen in Tradition der »Hitler Jugend«. Schon Kinder sollten so in nationalsozialistischer Ideologie geschult werden. Nach dem HDJ-Verbot 2009 wurden deren Aktivitäten in den Untergrund verlegt. Auch Wolfram Nahraths Kinder nahmen regelmäßig an Fahrtenlagern der HDJ teil. In Wolfram Nahraths Wohnort Birkenwerder (Kreis Oberhavel) versucht er als unauffälliger Nachbar und Familienvater aufzutreten. Sein Bruder Ulf bekleidete Posten im Bundesvorstand der »Freiheitlichen Arbeiter Partei Deutschlands« (FAP) (1995 verboten), deren Programm sich stark an das der NSDAP anlehnte. Wolfram Nahraths Mutter Gisela, früher Ringführerin des Bundes Deutscher Mädel, war ebenfalls in nazistischen Gruppen aktiv.

Durch Nartahs exponierte Stellung als rechter Szeneanwalt, verteidigt er nahezu alle Führungskader  der Naziszene, den Rechtsrockbereich, so wie Schläger und Mörder aus diesem Milieu. Die Liste wäre entsprechend lang, darum seien hier nur ein paar exemplarische Fälle benannt. 1999 verteidigte er den Nazi Patrick Demming (Kameradschaft Treptow“ & „Freikorps Berlin), der 1998 eine Rohrbombe auf dem Balkon eines Mitgliedes der PDS (heute Die LINKE) deponierte. Nur durch einen Zufall wurde die Bombe gefunden und ein Menschenleben gerettet. Am 12. Februar 1999 veranstalteten Nazis im brandenburgischen Guben eine stadtweite Treibjagd auf Migrant*innen. In Todesangst versucht sich der 28 jährigen Farid Guendoul in einen Hauseingang zu retten. Beim Eintreten der Glastür schneidet er sich eine Beinarterie auf. Er schreit, doch keiner der Hausbewohner öffnet die Tür oder ruft einen Krankenwagen. Nahrath verteidigt den Täter Steffen Henze. Zynisch bemerkte er im Prozess lediglich »Eine Notwendigkeit, durch die zerschlagene Fensterscheibe zu kriechen , gab es also nicht.« (Gedenk-Blog: RE:GUBEN) Er fungierte zudem als Anwalt von Michael »Lunikoff« Regener, dem ehemaligen Sänger der Rechtsrockband »Landser«. Er half ihm bei der rechtlichem Prüfung von Tonträgern seiner Band »Die Lunikoff Verschwörung«. Auch Ralf Wohlleben, der für den NSU die Tatwaffe besorgte und nun zusammen mit Beate Zschäpe in München angeklagt ist, nimmt die Dienste Nahrath in Anspruch. Nahrath ist seit 2013 ein Pflichtverteidiger von Wohlleben. Ebenfalls ein bekannter Nazi den Nahrath verteidigte, ist das Mitglied der »Barnimer Freundschaft« Marcel Zech. Zech, zugleich Kreistagsabgeordneter der Barnimer NPD, zeigte im Sommer 2015 in einem öffentlichen Schwimmbad sein Ausschwitz-KZ-Tattoo mit dem Schriftzug »Jedem das Seine«. Deshalb wurde Marcel Zech trotz der Verteidigung Nahraths wegen Volksverhetzung im November 2016 zu acht Monaten Haft verurteilt. Als aktuelles Beispiel von Wolfram Nahraths lokaler Tätigkeit sei die Verteidigung des Pankower NPD-Vorsitzenden Christian Schmidt genannt, der ebenfalls November 2016 vor Gericht stand – wegen Freiheitsberaubung und Nötigung. Schmidt pflegt ebenfalls Kontakte zu Zech und den Barnimer Nazistrukturen.

Nahrath ist Mitglied im »Deutschen Rechtsbüro« (DRB), dem insgesamt 40 Anwälte angehören. Das DRB verteidigt ebenfalls straffällige Nazis, geht gegen juristische Verbote von Nazi-Aufmärschen vor, kümmert sich um das Patentrecht von Nazi-Kleidermarken und belästigt antifaschistische Initiativen mit Klagen. Jürgen Rieger war ebenfalls Mitglied des DRB und nahm als Redner und Netzwerker eine wichtige Rolle in der NS-Bewegung. Nach seinem Tod 2010 versuchte Nahrath die entstandene Lücke zu schließen und redete anders als zuvor verstärkt bei öffentlichen Veranstaltungen – u.a. auf der 1. Mai-Demonstration 2014 der NPD in Rostock, dem »Märkischen«- und »Südwestdeutschen Kulturtagen«, sowie auf der Kundgebung für die Freilassung des Nazi-Anwalts und Holocaustleugners Horst Mahler (Brandenburg an der Havel, 5.7.2014). Die notorische Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck gehört ebenfalls zu Wolfram Nahraths Stammkund*innen. Zuletzt leistete er ihr im November 2016 in einem Prozess vorm Amtsgericht Verden Beistand. In acht Fällen hatte Ursula Haverbeck für die in Verden erscheinende Nazi-Zeitschrift »Stimme des Reiches« Beiträge verfasst oder redigiert, in denen der Holocaust geleugnet wird. Sie erhielt eine zweieinhalb jährige Haftstrafe – ihre bis jetzt achte Verurteilung wegen Volksverhetzung. Nahraths Polularität in Sachen Holocausleugner*innen verteidigen bescherte ihm 2009 eine Anfrage des bekannten Bischof Richard Williamson, ihn vor Gericht zu vertreten. Der Canadier hatte behauptet dass es die Gaskammern nicht gegeben hätte.

Das Netzwerk rechter Anwälte, zu dem auch Nahrath zählt, verhilft militanten und organisierten Nazis, vor Gericht regelmäßig zu Freisprüchen oder Strafmilderung. Nahrath und dessen Kanzlei sind darum wichtiger Teil völkischer und faschistischer Infrastruktur in Berlin. Anfang der 00er Jahre wurde durch ein Werbeinserat in einer Nazi-Publikation bekannt, dass sich die Kanzlei des bekannten Nazianwaltes in der Berliner Allee in Weißensee befindet. Seit 2006 befindet sie sich am aktuellen Standort in der Bizetsraße 24 – Zu lange wie wir finden.

 


 

Hintergrundinformationen:

Auf Grund Wolfram Nahraths Tätigkeit als Anwalt ist die Liste seiner geführten Prozesse und damit auch die seiner Aktivitäten extrem lang. Um mehr dazu zu erfahren empfiehlt sich die eigenständige Suche im Netz. Eine gute Zusammenfassung zur Person Nahrath findet sich im Aufruftext »Kein Freispruch für Nazis und Justiz.«, der 2006 anlässlich einer Demo gegen die Kanzlei verfasst wurde.