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Würdiges Gedenken in Buch – Naziprovokation erfolglos

Sowjetisches Ehrenmal Buch

Würdiges Gedenken an die Befreiung in Pankow-Buch
Provokation der NPD Pankow wirkungslos

Mehr als 80 Antifaschist*innen, jeden Alters, nahmen am 8. Mai 2017 an der Gedenkveranstaltung zum 72. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus in Pankow Buch teil. Aufgerufen zur Kundgebung hatten DIE LINKE Pankow, Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschist*innen (VVN-BdA) Pankow & North-East Antifascists [NEA]. Neben der Kranzniederlegung wurde in Redebeiträgen auf der mit der Befreiung verbundenen Verantwortung, sich auch heute gegen jede Art von Faschismus und Rassismus einzusetzen, hingewiesen. Ganze 21 Neonazis beteiligten sich an einer wirkungslosen Gegen-Kundgebung. Die Polizei blieb sich im Vergleich zum letzten Jahr absolut treu und verhielt sich gegenüber den Neonazis mehr als zuvorkommend.

Ankündigungen:
8. Mai 2017 – Pankow-Buch: Gedenken an die Befreiung (NEA)
Montag, 08.05.2017,16.30 Uhr : Gedenken an den Tag der Befreiung in Pankow (Berlin gegen Nazis)

Fotos:
08.05.2017 – NPD-Kundgebung in Berlin-Buch (Oskar Schwartz)

Recherche:
08.05.2017 – NPD-Kundgebung in Buch (Antifa Berlin)

Kurz-Bericht, Fotos & Redebeitrag:

Würdiges Gedenken an die Befreiung in Pankow-Buch
Provokation der NPD Pankow wirkungslos

Mehr als 80 Antifaschist*innen, jeden Alters, nahmen am 8. Mai 2017 an der Gedenkveranstaltung zum 72. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus in Pankow Buch teil. Aufgerufen zur Kundgebung hatten DIE LINKE Pankow, Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschist*innen (VVN-BdA) Pankow & North-East Antifascists [NEA]. Neben der Kranzniederlegung wurde in Redebeiträgen auf der mit der Befreiung verbundenen Verantwortung, sich auch heute gegen jede Art von Faschismus und Rassismus einzusetzen, hingewiesen.

Im letzten Jahr konnte die Pankower NPD ein Gedenken am Mahnmal durch eine eigene „Dauermahnwache“ verhindern. Eine antifaschistische Kundgebung, welche letztes Jahr gegen diese skandalösen Vorgänge organisiert wurde, wurde dabei von der Polizei so weit weg platziert, dass ein Protest in Hör- & Sichtweite der Nazis kaum möglich war. Ganz anders verhielt es sich dieses Jahr, wo auch wieder Seitens der NPD um Christian Schmidt eine Gegen-Kundgebung angekündigt war. Diese konnte nur wenige Meter neben der Gedenkveranstaltung am Sowjetischen Ehrenmal stattfinden. Ganze 21 Neonazis nahmen an dieser teil, welche fast zeitgleich zu unserem Gedenken begann. Neben dem üblichen Kreis der Pankower NPD wie Christian Schmidt, Fabian Knop, Ronny Döbel, Dennis Casper und Stefan Seidel, waren auf Seiten der NPD auch der BärGiDa-Fotograf Stephan Böhlke aus Friedrichshain, der Aktivist der „Autonomen Nationalisten Berlin“ und des selbsternannten „Antikapitalistischen Kollektiv“ Lukas Lippitz aus Marzahn-Hellersdorf, Lars Niendorf aus Hellersdorf, Alexander Kevin Pieper aus Fürstenwalde und Kathrin Grochocki anwesend. Also eine ähnliche Zusammensetzung, wie schon bei der letzten, absolut bedeutungslosen NPD-Kundgebung eine Woche zuvor. Die plumpen Störversuche der Neonazis blieben wirkungslos. Die Polizei hatte mit der räumlichen der Nähe der beiden Veranstaltungen, ganz im Gegenteil zum letzten Jahr, wo eine Störung der NPD-Veranstaltung um jeden Preis verhindert werden sollte, kein Problem. Diese war sich auch nicht zu Blöde in die Schweigeminute in Gedenken an alle Menschen, welche für die Befreiung sterben mussten, einen „organisatorischen Hinweis“ hineinzurufen. Zeitgleich fand auch in Karlshorst (Lichtenberg) eine NPD-Kundgebung statt, an der 14 Neonazis teilnahmen.

Alles in allem kann das Gedenken als Erfolg bewertet werden. Ein breites Spektrum an Menschen konnte für ein aktives Gedenken mobilisiert werden und die Pankower NPD hat bis auf ihre personelle Schwäche auch nix zur Schau gestellt. Die Polizei blieb sich im Vergleich zum letzten Jahr absolut treu und verhielt sich gegenüber den Neonazis mehr als zuvorkommend.

Pankow-Buch bleibt ein Ort, der antifaschistische Interventionen notwendig macht, dies hat uns der heutige Tag wieder vor Augen geführt. Auch wenn die NPD Pankow keine große Mobilisierung hervorbringen kann, bleibt das Klima in Buch für alle Menschen, welche als „nicht-Deutsch“ markiert werden gefährlich. Die Wahlergebnisse der AfD in Buch sind erschreckend hoch und Rassismus gehört weiterhin zum Alltag. Es ist immer noch ein Klima, in dem auch Dieter Eich aus sozialchauvinistischen Gründen von Nazis ermordet wurde. Auch dieses Jahr werden wir Dieter Eich am 24. Mai gedenken, achtet auf weitere Ankündigungen.

In diesem Sinne:
Der Geschichte verpflichtet – Die Antifaschistische Aktion lebt!

North-East Antifascists [NEA] – Mai 2017
www.antifa-nordost.org

Fotos:

 


 

Redebeitrag:

Der Geschichte verpflichtet – Geschichtsrevisionismus & Antisemitismus entlarven

Liebe Freund*innen und Genoss*innen,
wir freuen uns sehr darüber, heute hier stehen und sprechen zu können. Einerseits, weil es uns die Befreier*innen, dabei insbesondere die Rote Armee, überhaupt möglich gemacht haben. Denn sie waren es, die nicht nur den Vernichtungskrieg des nationalsozialistischen deutschen Staates auf sowjetischem Gebiet stoppten, sondern unter massivsten Verlusten ebenso den Faschismus in Deutschland selbst niederschlugen. Zudem stehen wir hier, weil wir letztes Jahr Zeug*innen eines handfesten Skandals hier in Buch wurden mussten. Die Neofaschist*innen der Pankower NPD hatten vor dem Sowjetischen Ehrenmal am 8. Mai eine so genannte „Dauermahnwache“ angemeldet. Damit blockierten sie ganztätig das Denkmal. Die Polizei hatte außerdem nichts Besseres zu tun, als die Neonazis gewähren zu lassen. Erst nach langer Debatte war es den Teilnehmer*innen unseres Gedenkens möglich, Blumen vor dem Mahnmal niederzulegen. Von einem würdigen Gedenken kann dabei jedoch keineswegs die Rede sein. Unter dem hämischen Grinsen der NPD mussten sich die Menschen, die Blumen am Mahnmal niederlegen wollten, abfotografieren lassen. Das ist eine unerträglich Verhöhnung der Opfer des Faschismus, derer, die ihn noch erleben mussten und ihrer Nachkommen. Umso befreiender – im wahrsten Sinne des Wortes – und umso bedeutsamer ist es, heute hier sein zu können.

Neben der letztjährigen offensichtlichen Verhöhnung des Gedenkens haben wir es zudem heute mit einer neuen Form des Geschichtsrevisionismus zu tun. Eine Vorreiterrolle spielt dabei die Pankower AfD, welche tatsächlich versucht, sich als Widerstandskämpferin darzustellen. Dies wollen wir an einem kurzen Beispiel verdeutlichen:

Am 1. März diesen Jahres veröffentlichte die Pankower AfD auf ihrer Website einen Bericht unter dem Titel: „Stilles Gedenken an die Geschehnisse in der Rosenstraße“. Dabei bezieht sie sich auf den Widerstand mehrheitlich deutscher nicht-jüdischer Frauen* gegen die Verhaftung und geplante Deportation ihrer meist jüdischen Ehepartner in KZs 1943. Urheber des Textes ist Roland Gläser. Ein Vorkämpfer gegen Antisemitismus? Wohl kaum! Der gleiche Roland Gläser ließ es sich nicht nehmen, sich an den hochgradig antisemitisch aufgeladenen Verschwörungstheorien rund um den Tod von Jürgen Möllemann (FDP) zu beteiligen. Weiterhin monierte er, dass Geflüchtete vermeintlich ungehindert ins Land kommen dürften, aber jedes Huhn – kein Witz – registriert werden müsse. Tiervergleiche? Das kennen wir doch von irgendwoher! Die Liste seiner antisemitischen Ausfälle ließe sich noch fortführen. In diesem Kontext wird die Dreistigkeit des AfD-Vergleichs mit den mutigen Frauen* aus der Rosenstraße noch offensichtlicher und perfider. Nicht nur nehmen es sich Mitglieder einer rassistischen und chauvinistischen Partei heraus, sich in die Nähe des Widerstandes gegen den NS zu rücken. Der wochenlange Protest der Frauen* aus der Rosenstraße war nichts anderes als ein lebensgefährliches Bekenntnis gegen die rassistische und antisemitische Logik des deutschen Faschismus. Die AfD hingegen, als Partei, deren Personalbestand sich wahrscheinlich aus den privilegiertesten Kreisen der Gesellschaft speist, vertritt eine eigene normative Agenda des gesellschaftlichen Ein- und Ausschlusses, die auf rassistischen, (hetero-)sexistischen und traditionalistischen Weltbildern basiert. Auch sie maßt es sich an, darüber entscheiden zu wollen, welche Menschen „hierher gehören“ und wie diese zu leben hätten, damit sie bleiben dürfen.

AfD Pankow – Wir lassen uns von euch nicht verarschen und die Leidtragenden des deutschen Faschismus nicht von euch verhöhnen! Ihr seid keine potenziellen Opfer oder Kämpfer*innen gegen rassistisches Unrecht, sondern potenzielle Täter*innen! Da könnt ihr noch so oft versuchen, die Geschichte so umzudeuten, wie es euch gerade passt.

Wir stehen heute hier um zu zeigen, dass wir die Erinnerung an die Befreiung vom deutschen Faschismus und an die Befreier*innen, die dem Vernichtungskrieg in der Sowjetunion und der industriellen Vernichtung der europäischen Jüd*innen ein Ende gesetzt haben, lebendig halten. Weder die ekelhaften Provokationen von Neonazis und NPD, noch der aggressive Geschichtsrevisionismus der AfD werden uns davon abbringen, an faschistische Verbrechen zu erinnern. Wir werden weiterhin sowohl dafür kämpfen, dass solches nie wieder geschieht, als auch dafür, jeglichen regressiven und menschenverachtenden Auswüchsen einen Riegel vorzuschieben – in Pankow und anderswo!

Gegen jeden Antisemitismus, Rassismus und jede andere Form von Diskriminierung!
Erinnern heißt Kämpfen!
Siempre Antifa!
Никто не забыт и ничто не забыто! (Nichts und niemand ist vergessen!)

North-East Antifascists [NEA] – 08.05.2017
www.antifa-nordost.org

 


 

08.05.2017 – NPD-Kundgebung in Berlin-Buch

21 Neonazi gaben vor den gefallenen Wehrmachtssoldaten zu Gedenken. Dabei wurde die Kundgebung der NPD Pankow als reine Provokation geplant und durchgeführt. Es gab keine inhaltlichen Redebeiträge, linke Demonstranten wurde gezielt fotografiert und auch die Musik bei der Schweigeminute zu Ehren der gefallenen Sowjetsoldaten unter lautem Geschrei lauter gestellt. Dazu reisten Neonazi aus der Region nach Berlin-Buch.

Quelle: www.flickr.com/photos/141770272@N07/sets/72157680481471953

 


 

Fotos von Re Doc

Quelle: www.twitter.com/resdocs

 


 

08.05.2017 – NPD-Kundgebung in Buch

Gegen die Gedenkveranstaltung zum Jahrestag der Befreiung am Sowjetischen Ehrenmal in Buch veranstaltete die Pankower NPD eine NS-verherrlichende Kundgebung. Sie fand direkt gegenüber des Ehrenmals statt und wurde, nach dem die antifaschistische Kundgebung beendet war, mit Zustimmung der lokalen Polizei direkt an das Ehrenmal verlegt.

Chistian Schmidt war Anmelder sein Verband stellte mit Stephan Seidel, Fabian Knop, Dennis Casper und anderen die Kundgebungsstruktur. Insgesamt 21 Neonazis aus mindestens drei Berliner Bezirken kamen. Anwesend waren unter anderem Neonazis aus Hellersdorf (Lukas Lippitz, Lars Niendorf), sowie der Anti-Antifa-Fotograf Stephan Böhlke (Friedrichshain-Kreuzberg).

An der antifaschistischen Veranstaltung nahmen 80-90 Menschen teil.
Es wurden Kränze niedergelegt und Gedenkreden gehalten. Eine Schweigeminute für die Opfer der NS-Herrschaft störte Christian Schmidt mit Lautsprecherdurchsagen.

Quelle: www.antifa-berlin.info/recherche/1367-08052017—npd-kundgebung-in-buch