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Alltagsrassismus öffentlich machen

Liebe LeserInnen,

auf Grund des rassistischen Übergriffs auf meinen 17 jährigen Sohn und da ich nicht die Einzige bin die den dramatischen Anstieg von Rassismus in unserem Land bemerkt, möchte ich in diesem Artikel Fallbeispiele aus ganz Deutschland sammeln und bitte Euch, mir Eure Erfahrungen zuzusenden: info@global-new-generation.com. Wir können diese Beispiele anonym oder mit Eurem Namen als Quelle veröffentlichen, auch Fotos können hinzugefügt werden. Es muss auch keine körperliche Gewalt im Spiel gewesen sein, hier geht es viel mehr darum, die vielen alltäglichen rassistischen Situationen aufzuzeigen und deutlich zu machen unter welchem Druck Menschen leben, denen ständig subtil oder auch ganz offen vermittelt wird, sie seien minderwertig!! Wir begegnen diesem Rassismus oft sprachlos und fühlen uns ohnmächtig. Wir müssen uns aus dieser Starre befreien. Für SchülerInnen und Eltern gibt es immerhin schon eine Schul-Mobbing Beauftragte Frau Saraya Gomis. Auch gibt es ein Netzwerk gegen Diskriminierung in Kita und Schule BeNeDiSK – dort solltet ihr in jedem Fall jede Form von Diskriminierung in Kita und Schule melden, das ist sehr wichtig um auf politischer Ebene Veränderung herbeizuführen. Und auch diese Seite hier kann Euch helfen: KiDs – Kinder vor Diskriminierung schützen!  Bitte wehrt Euch, ihr dürft und müßt das nicht einfach schlucken!!!!!!

Diese Liste hier auf New Generation soll der Öffentlichkeitsarbeit dienen, evtl in Dokumentationen, Filmen, Zeitungsartikeln und ähnlichem auf den Ernst der Lage hinweisen und an die politische Ebene appellieren.

Vielen Dank für Eure Mitarbeit.

Sonja Prinz
Vorstand

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Sylvia:
Auch ich kann viele Geschichten erzählen, die unserer Familie passiert sind; hier ganz kurz drei davon.
Als mein Sohn in der Grundschule war gab es nur zwei afro-europäische Kinder an seiner Schule. Diskrimierung erlebte er im Alltag in der Schule und auch draußen immer wieder. Irgendwann sagt er zu mir: „Mama, ich will nicht mehr braun sein.“ Das tat richtig weh. Er cremte seine Haut dann nicht mehr ein (weil sie einen weißlichen Schimmer bekam, wenn er das nicht mehr tat); er trug immer und überall sein Basecap, damit er nicht mehr wegen seiner Haare angesprochen wurde. Natürlich half das nicht der Diskriminierung zu entgehen. Und so bekam er dann auch noch Ärger in der Schule, weil er sein Basecap nicht absetzen wollte… egal, wie oft wir mit der Lehrerin darüber sprachen: Sie sagte er sei wie alle anderen und würde auch so behandelt. Das stimmte aber nicht ganz, denn nur zwei Schüler der Schule hatten braune Haut und außer ihnen wurde niemand als „N…“ usw. bezeichnet. Wahrscheinlich versteckte sich auch keines dieser anderen Kinder vor den Oberschülern der Nachbarschule (weil diese ihnen immer wieder Angst machten und sie wegen der braunen Hautfarbe bedrohten) und lief durch das Gebüsch ein Stück des Weges nach Hause . Mein Sohn tat das und wir versuchten lange in der Schule Verständnis für seine Situation und Veränderung zu erreichen. Wir hofften, die Lehrer würden mit dem Thema Diskriminierung offensiver umgehen. Aber es wurde nur verharmlos und bagatellisiert. Dass der Sportlehrer ihn „Bimbo“ nannte, war auch kein riesiges Problem (für die Schule), und doch „bestimmt nicht wirklich ernst gemeint“ versicherte man uns. Irgenwann war alles zu viel und als mein Sohn eines Tages zu Hause am Fenster saß und sagte er wolle nicht mehr leben, haben wir kapituliert und ihn umgeschult. In dieser Schule wurde es dann besser und zumindest bei den Klassenlehrerinnen fand er Unterstützung. Trotzdem gabe es auch dort wieder Vorfälle, für die ich kein Verständnis habe… als andere Jungs ihn als „N…“ beschimpften und verprügeln wollten, flüchtete er sich in in den Toilettenraum und hielt die Tür der Kabine zu… als die Tür durch den Druck der ihm folgenden Eindringlinge kaputt ging… ratet mal, wer die Strafe bekam? Er hätte deshalb doch nciht die Tür so lange zuhalten dürfen, bis sie kaputt ging, bekamen wir erklärt!
Naja, und dann gab es noch andere Situationen: Einmal waren wir in einem Hotel im Brandenburger Land. Als dort ein Weihnachtsmarkt auf dem Gelände stattfand, sind wir auch dorthin. In der Schlage, wo es Zuckerwatte gab, warteten wir. Ich habe die Blicke der Menschen bemerkt und wusste nicht ob ich mich freuen oder wütend sein sollte, als sich eine Mutter, die mit ihrem Kind vor uns stand umdrehte und wohl nett gemeint, mit Blick auf meinem Sohn, zu mir sagte: „Entschuldigen Sie, so etwas haben wir hier nicht so oft!“
… und zum Schluß etwas, das meinen Sohn immer nervt (und das ich auch schon oft selbst beobachtet habe, wenn wir im Laden getrennt unterwegs sind): Die Security in Supermärkten… die hat er immer am Hacken (zumindest im Nordosten von Pankow)… vielleicht freuen sich da ja andere, die sich derweil tatsächlich die Taschen vollhauen…
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Schülerin 19 Jahre:
Während meines Praktikums in einer Kinderfreizeiteinrichtung fragt mich so ein kleines Kind einfach, ob ich dreckig bin, oder kacke in meinem Gesicht habe!!!!! – Klar habe ich ihn korrigiert. Aber es sind leider so viele Beleidigungen, ständig: „Hast du Ebola? N…, Scheiß Ausländer, Bimbo usw “
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Sonja:
Als wir gerade aus Paris in eine Kleinstadt in Rheinland Pfalz gezogen waren, besuchte ich sonntags einen Gottesdienst mit meinen ersten beiden Kindern, da waren sie 5 und 4 Jahre alt. Wir wurden von allen Seiten mit allen möglichen Blicken gesegnet, ich dachte „yay, wir sind Aliens“. Um so mehr habe ich mich gefreut als nach dem Gottesdienst ein älteres Pärchen zu uns kam, die Frau schnatterte gleich los: „Ach was sind die aber süss, und diese Löckchen!“ und da hatte sie auch gleich die Finger in den Haaren meiner Tochter, „wir hatten ja auch mal solche adoptiert, die waren aus Indien- wo kommen Ihre denn her?“ Da blieb mir die Sprache weg, sowas hatte ich damals noch nie gehört und es beschäftigte mich noch den ganzen restlichen Tag. Ich war mit mir selbst verärgert, ich hätte etwas Kluges antworten sollen, stattdessen hatte ich mich schnell verabschiedet und aus dem Staub gemacht. Aber es sollte nicht lange dauern, da bekam ich die Chance klug zu antworten. Beim Ausflug ins Freilichtmuseum kam wieder eine Frau- diese war aus Russland- und fand meine süßen ‚Schokobabies‘ und deren Haar so toll und wollte wissen, ob ich die adoptiert hätte. „Nein“ sagte ich, „die hab ich selbst gemacht, und das.– hat richtig Spass gemacht!!! Sollten Sie auch mal ausprobieren! Dann bekommen Sie Ihre eigenen ‚Schokobabies’“ Peinlich berührt zog sie von dannen. Ich habe diese Antwort nun jedesmal benutzt, wenn mich jemand nach der Adoption meiner Kinder gefragt hat -und das passierte wirklich oft.
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Sänger 19 Jahre:
Rassismus? Das erleben wir doch jeden Tag
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Anonym
Bei mir auf der Arbeit fällt immer mal wieder das N.. Wort und danach sagen sie dann „Entschuldigung, das war nicht böse gemeint“ Ich tue dann immer so als hätte ich es nicht gehört, aber gemobbt fühle ich mich dann doch immer irgendwie.

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Anonym:

Obwohl es sich „nur“ um verbalen Rassismus handelte, den ich mir als Jugendliche ungewollt mithören musste,
geht es mir bis heute nicht aus dem Kopf:, es übermannt mich wenn ich daran denke stets das Grauen,und es ist mir, als wärs erst gestern gewesen:

Da diskutierten zwei männliche Jugendliche ,die sonst eigentlich recht o.k schienen:
Der Eine schimpfte über Juden, und was man alles mit ihnen machen sollte…. da erwiderte der ANDERE: Nein, die N….r sind die Schlimmsten, die sollte man……..etc, etc…“

Ich war wie versteinert, und fühlte nur, dass mir schlecht wurde. (Leider war ich zu DER Zeit in den ANDEREN verliebt…Gott bewahre)

Der „ANDERE“ vergötterte Elvis Presley geradezu, war sozusagen eine Kopie von ihm, was das Aussehen betrifft.
Nichts gegen Elvis, doch WER war es, der die besten Songs komponierte, ein hervorragender Musiker war, und doch für die Masse relativ unbekannt blieb, während Elvis den Ruhm erlangte?

RAY CHARLES….

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Anonym:
Ich wurde mal von einer Kollegin gefragt wie groß der… ( ihr wisst schon was) von meinem Mann ist, ob es denn stimmt, dass Afrikaner einen Größeren haben und ob das nicht beim Sex wehtut. Ich habe nur geantwortet, dass ich dazu nix sagen werde und dass sie sich doch mal mir jemanden verabreden soll, um das selbst zu beurteilen!

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Schülerin 12Jahre:
Ich war auf der Gustav Eifel Schule und dort waren die Kinder total assozial und haben mich Tag für Tag runter gemacht. Eine hat gefragt ob sie mein Hefter haben darf und als ich ihn wieder bekommen habe standen da sehr viele Beleidigungen drauf und der Hefter wahr total kappur, manche haben mir sogar nach der Schule aufgelauert um mich dann noch mehr zu mobben
Einmal war ich draußen und solche Männer habe mich auf Grund meiner Hautfarbe beleidigt z.b. Scheiß Ausländer, N…. usw.


Anonym:
In einem Unternehmen in Potsdam gibt es 2 Pausenräume im Bereich Unterhaltsreinigung. Ein Raum für Deutsche, einen für Ausländer. Als wenn das noch nicht reicht, wurden aus dem Pausenraum für die Ausländer der Esstisch und die Stühle entfernt mit der Begründung, dass der Tisch und die Stühle woanders gebraucht werden. Man könnte doch auf dem Boden sitzen und essen oder in die Cafeteria des Hauses Pause machen gehen. Mein Mann arbeitet dort zum Glück nicht mehr, aber was fürs eine Demütigung ist das denn?


Mutter von 9 jährigen Jungen:
Mein Sohn fing an über Bauchschmerzen zu klagen und das immer vor Schulanfang, bis nach ständigen Gesprächen mit ihm rausfand, dass er von älteren aus der Schule wegen seiner Hautfarbe gemobbt wurde… Sprüche wie: „Du bist braun wie Kacke, deshalb stinkst du auch“ und wurde rumgeschubst

Mutter von 14 jähriger Tochter:
In der Schule wurde meiner Tochter immer wieder als ‚Sklave‘ benannt.

Mutter von 3 jähriger Tochter:
Meine Tochter ist deutsch-senegalesischer Herkunft und ihr Haar ist sehr bauschig. Leute begrabschen ständig ganz selbstverständlich ihr Haar, ohne jegliches Feingefühl, oft einfach beim Vorbeilaufen als wäre das Haar ohne Besitzer… selbst ein Hund kriegt mehr Respekt…

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Schülerin 14 Jahre:
Gestern kam ich aus Frankreich zurück und mein Vater (weiß) und meine Großtante holten mich ab, wir fuhren eine Weile bis wir auf der Gegenüberseite ein Polizei Auto sahen. Ich schaute etwas komisch herüber da der Auto Typ mich interessierte. Auf einmal sahen wir das gleiche Auto hinter uns, wir fuhren an den Rand und der Polizist sagte „guten Tag hier ist die Polizei schönefeld, bitte die Fahrzeug Papiere und Ausweis.“ Er kontrollierte meinen Vater der eben „Zecken“ mäßig aussieht, nach Drogen. Papa musste auch einen Test machen. Meine Großtante sagte zu den Polizisten „sie haben uns doch nur angehalten da wir ein ausländisch aussehendes Kind haben“
Der eine Polizist daruf hin „Sie bewegen sich auf ganz dünnem Eis“, der ist voll an die Decke gegenagen. Ich saß im Auto und habe gezittert wie Sau, da ich seid Frankreich totale Paranoia vor dem habe.  Mein Vater fragte “ wieso werden wir kontrolliert ?“ Der antwortete daruf hin „Berufliche Intuition “ wir waren so sauer. Zum glück wurden wir weiter gelassen. Mein Vater fühlt sich sehr doll diskriminiert.
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Anonym:
Meine Grosseltern leben in Niedersachsen und mein Mann wurde nie thematisiert, als ob er nicht existiert. Ich wurde zwar eingeladen mit den Kindern, aber ihr Vater durfte nie mit und wurde nie eingeladen.
Ich wurde gefragt, ob ich meine Kinder adoptiert hätte…und meiner Tochter wurde vom Lehrer gesagt, das er sie mit der Hautfarbe, nicht in einer gymnasialen Oberstufe sieht.
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Ronja:
Ich mit meinem afrodeutschen Baby beim Arzt. Er: “wie soll ich denn ihr Kind jetzt nennen? N* darf man ja jetzt nicht mehr sagen!“ (in einem Tonfall, als wäre das für ihn ein großer Verlust oder so)
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Anonym:
Übergabegespräch  im Schwesternzimmer einer Mutter-Kind-Station: Eine weisse Mutter hatte gerade ein afro-europäisches Kind zur Welt gebracht. In der Übergabe fiel folgender Satz: Wundert euch nicht in Zimmer … liegt eine Frau da ist der Kindsvater Afrikaner. Deswegen sieht das Kind so anders aus. Glaubt mir, ich bin innerlich explodiert an dem Tag !


Romy:
Beispiel in der Familie: Mein Opa (Sachsen/ Bautzen = rechte Szene sehr verbreitet) hat mir untersagt, mit meinem Mann nach Bautzen zu kommen, weil er so dunkel ist und das der Nachbarschaft auffällt.  Die Kinder durften ihn besuchen, weil sie nicht ganz so dunkel sind… . Bis mein Opa verstarb, haben mein Mann und mein Opa sich nie kennengelernt. Und meine Oma wollte selbst von mir gar nix mehr wissen.
Meine Tochter wurde in ihrer Kitazeit arg gemobbt. Sie war gerade ca. 4 Jahre alt, als die anderen Kids aus ihrer Gruppe plötzlich alle nicht mehr mit ihr spielen wollten. Sie hat sich erstmal nichts anmerken lassen, doch irgendwann kam sie nur noch traurig vom Kindergarten nach Hause. Als sie dann endlich (nach ca. 3 Tagen ausquetschen) erzählt hat was los ist, bin ich sofort zum Erzieher gegangen. Ursache war nämlich, dass ein Elternteil seinem Kind verboten hat, mit dunkelhäutigen Kindern zu spielen. Und alle anderen Kinder haben dabei mitgemacht. Es folgte eine Erklärung für die Kinder, wie Hautfarben entstehen und auch die Eltern des Kindes wurden ermahnt.
Meine Tochter wurde in ihrer Kita häufiger auf Läuse kontrolliert als die anderen Kinder in ihrer Gruppe.
Aufgrund der zweisprachigen Erziehung unserer Tochter, hat sie bei manchen Wörtern Ausspracheprobleme gehabt , da sie ja zwei Sprachen auf einmal lernt. Sie wurde promt zum Logopäden geschickt, weil sie angeblich nicht richtig sprechen kann und andere Kinder das schon besser konnten. Sie war zu diesem Zeitpunkt gerade mal 4 Jahre alt.

Und wie oft wird man im der Potsdamer Straßenbahn mit seinen Kids/seinem Mann angeguckt, als würde man von einem anderen Stern kommen!

Im Krankenhaus nach der Entbindung meines zweiten Kindes hat mir eine Krankenschwester nicht geglaubt, dass mein Sohn Gelbsucht hatte und darauf plädiert, dass das doch an der Hautfarbe vom Papa liegt, dass er so aussieht. Er war dann nach 2 1/2 Tagen quietschegelb, hat nur noch geschlafen und dann habe ich die Initiative ergriffen und darauf bestanden, das Kind zu untersuchen. Und, was hatte er: Gelbsucht. Zuhause musste ich ihn immer ins Licht packen, damit es ihm wieder besser ging.


Sonja:
Meine Tochter afro-europäischer Herkunft war gerade drei Monate in der Schule als sie plötzlich jeden morgen Bauchschmerzen bekam und nicht mehr zur Schule wollte, ihre Haare musste ich zu einem festen Zopf binden, sonst brach sie in Tränen aus. Beim Elterngespräch bemerkte die Lehrerin, dass ich doch darauf achten solle, die Haare meiner Tochter zusammenzubinden, schließlich sei diese Sorte Haar viel anfälliger für Parasiten und Dreck.


Anonym:
Meine Große musste ich gerade aus dem Gymnasium in Karow rausnehmen nach einem Jahr, weil sie täglich mit rassistischen Sprüchen wie, “ deine Ebola ist wie unsere Grippe, oder?“ und“kriegen deine Kinder dann Schokomilch zu trinken“ belästigt wurde, mir nichts sagte und immer ungerner wegen der Klassenlehrerin, die sie wegen zunehmender Schussligkeit ausgrenzte, in die Schule ging. Sie geht jetzt glücklich in Mitte is Gymnasium, in die Schule mit 51 anderen Nationen. In Karow war sie das einzige braune Mädchen. Nach fünfseitigem Beschwerdebrief an  den Senat, wurde uns eine neue Schule vorgeschlagen, Pankow ist natürlich voll, und die Schule in Karow muss jetzt Fortbildungen zum Thema Diskriminierung besuchen.

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