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Militanter und getarnter Faschismus in Frankreich

Aufkleber_celment_webMilitanter und getarnter Faschismus
Frankreich, ein Jahr nach dem Mord an Clément Méric und zwei Wochen nach den Europaparlamentswahlen
08.06.2014 | 15:00 Uhr | BAIZ | Schönhauser Allee 26A

Referent: Bernard Schmid

Vor einem Jahr, am 05. Juni 2013, starb der junge französische Antifaschist Clément Meric unter den Schlägen einer Gruppe von Boneheads und militanten Neofaschisten. Die Täter gehörten der Gruppe ,Troisième Voie‘ („Dritter Weg“) unter Serge Ayoub, einem früheren Anführer einer Bonehead -Formation im Raum Paris, sowie ihrem Umfeld an.

Mehrere Tatbeteiligte sitzen seitdem in Untersuchungshaft. Im Juni und Juli 2013 wurde daraufhin ein halbes Dutzend neofaschistischer Aktivisten*innengruppen in Frankreich verboten. Dies schreckte jedoch andere Kräfte nicht ab, sich erst recht positiv auf das politische Umfeld der Mörder zu beziehen. Der französische Antisemit Dieudonné M’bala M’bala publizierte am 30. Juli 2013 ein so genanntes Interview mit Serge Ayoub im Internet, das mehrere Hunderttausend Mal angeklickt wurde und in dem der neofaschistische Anführer für seine „Ideen“ werben konnte. Und im September 2013 gründete sich in Heidelberg eine neue deutsche Neonazipartei – unter dem Namen „Der Dritte Weg“. Die Nähe zur französischen Organisationsbezeichnung dürfte eher nicht zufällig sein. Rechtsradikale Parteien oder „Bewegungen“ mit breiterem Einfluss, insbesondere durch erfolgreiche Teilnahme an Wahlen, versuchen unterdessen den Verdacht einer Nähe zu solchen Gruppen abzustreifen. Marine Le Pen, die Chefin des französischen Front National (FN), wies einen solchen Verdacht weit von sich. Allerdings wurden daraufhin schnell Kontakte publik, die sie in der Vergangenheit zu Serge Ayoub hatte. So nahm sie etwa 2008 in dem von Ayoub betriebenen Kneipen- und Veranstaltungsraum ,Le Local‘ in Paris an einer neofaschistischen Veranstaltung teil.
Unterdessen zeichnet sich ab, dass ihre Partei – der Front National – bei den Europaparlamentswahlen ein hohes Ergebnis erzielen wird. Vordergründig angeblich frei von Homophobie und offenem Antisemitismus, versuchen der FN und vergleichbare Parteien mit „Einwanderungskritik“ und Nörgeln an der EU bei den Wahlen zu punkten. In vielen Mitgliedsländern mit erheblichem Erfolg.

Veranstalter*innen: North-East Antifascists [NEA]

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