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10. August – Prenzlauer Berg: Hans Otto zum 115. Geburtstag

Foto: Gedenkstätte Deutscher Widerstand

Foto: Gedenkstätte Deutscher Widerstand

Hans Otto zum 115. Geburtstag

Gedenkveranstaltung:
Mo, 10.08.2015 | 17:00 Uhr | Hans-Otto-Straße/Käthe-Niederkirchner-Straße (Prenzlauer Berg)

Aufruf: Download
Veranstalter*innen: VVN-BdA Prenzlauer Berg, Pro Kiez Bötzowviertel & Friedensglockengesellschaft Berlin
Beiträge: Jutta Harnisch (VVN-BdA Prenzlauer Berg)

Der VVN-BdA Prenzlauer Berg, der Bürgerverein Pro Kiez Bötzowviertel e.V.,und die Friedensglockengesellschaft Berlin erinnern gemeinsam anlässlich des 115. Geburtstages am 10. August an Hans Otto in einer Gedenkveranstaltung am Montag, dem 10.08.2015, um 17:00 Uhr an der Hans-Otto-Straße/Käthe-Niederkirchner-Straße an das Leben und Wirken des glänzenden Schauspielers und mutigen, standhaften Widerstandskämpfers gegen das Naziregime, der mit 33 Jahren nach schwersten Folterungen von der SA am 24. November 1933 aus dem dritten Stockwerk gestürzt wurde und wenig später den Folgen erlag. Es spricht: Jutta Harnisch (BO Prenzlauer Berg der Berliner VVN-BdA)

Wir laden alle Anwohnerinnen und Anwohner ein, an der öffentlichen Ehrung teilzunehmen; Blumen sind erwünscht.

Aus dem Leben von Hans Otto:

Am 10. August des Jahres 1900 wurde Hans Otto als zweites von sechs Kindern des sächsischen Staats-beamten Theodor Otto und seiner Frau in Dresden geboren. Nach dem Tod der Mutter 1912 heiratete der Vater bald wieder. Wie häufig in jener Zeit, verlief die Erziehung der Kinder sehr patriarchalisch und streng.

Hans besuchte ab 1914 ein Realgymnasium, ab 1917 das König-Georg-Gymnasium, wo er eine Klasse mit Erich Kästner besuchte. Der Junge war literaturbegeistert. Besonders liebte er die deutschen Klassiker. Theaterbesuche beeindruckten ihn und ließen in ihm den Entschluss reifen, Schauspieler zu werden. Zur Finanzierung der Ausbildung gab er noch als Gymnasiast Nachhilfeunterricht. 1918 wurde Hans Otto zum Militärdienst eingezogen, doch bei Beendigung der Rekrutenausbildung war zum Glück auch der Weltkrieg zu Ende, und er wurde entlassen.

Wegen des Berufswunsches kam es zum Bruch mit dem Elternhaus, Hans Otto zog aus und nahm einfachste Lebensumstände in Kauf. Sein Schauspiellehrer Robert George erkannte sein großes Talent und übertrug ihm in der ersten Spielzeit des 1920 in Frankfurt/Main von ihm und Adam Kuckhoff gegründeten Frank-furter Künstlertheaters die Rolle des Ferdinand in Schillers „Kabale und Liebe“. In den nächsten drei Jahren gehörte Hans Otto zum festen Ensemble des im gesamten Rhein-Main-Gebiet spielenden Frankfurter Theaters, die Kritik lobte den blutjungen Schauspieler schon als „eine scharf umrissene künstlerische Persönlichkeit … vom vollendeten Typ einer ganz modernen Künstlerart“.
1922 heiratete Hans Otto die Schauspielerin Mia Paulun. Sie blieben bis zu seinem gewaltsamen Tod 1933 eng miteinander verbunden.

1923 erhielt Hans Otto ein Engagement an den Hamburger Kammerspielen. Hamburg war in dieser Zeit, in der die Inflation ihren Höhepunkt erreichte, von scharfen sozialen Gegensätzen geprägt, die im Oktober 1923 im Hamburger Aufstand gipfelten. Hans Otto kam in Kontakt mit der Arbeiterbewegung, fand in den kommunistischen Ideen Orientierung und Handlungsanleitung und trat der KPD bei.
1924 erhielt er ein Engagement am Reußischen Hoftheater in Gera. Erleichtert, der Enge dieses fürstlichen Hauses entronnen zu sein, kehrte er 1926 nach Hamburg zurück, wo er am Deutschen Schauspielhaus bis 1929 sehr erfolgreich wirkte und glänzende Kritiken erhielt. Vor allem aber entdeckte er die Kraft des Arbei-terpublikums und begann, an der Seite Gustav von Wangenheims an der Proletarischen Bühne Hamburg mitzuarbeiten. Mit der Theorie des Marxismus beschäftigte er sich jetzt intensiver.
Ab Anfang 1929 spielte Hans Otto in Berlin, ab 1930 am Preußischen Staatstheater im Schauspielhaus am Gendarmenmarkt. Im gleichen Jahr bot ihm die Ufa die Hauptrolle im Film „Das gestohlene Gesicht“ an.

Je mehr sich die soziale und politische Situation in der Weltwirtschaftskrise zuspitzte, je deutlicher sich die faschistische Gefahr abzeichnete, desto engagierter arbeitete Hans Otto für seine Überzeugungen. Als Schau-spieler gefeiert, mußte er als KPD-Mitglied Haussuchungen durch die Polizei ertragen. Sachlich und konse-quent trat er gegen die Machenschaften von Funktionären der Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger auf, was ihm die Achtung und Anerkennung seiner Theaterkollegen einbrachte, die ihn 1931 zu ihrem Ob-mann im Lokalverband der Staatstheater wählten (sein Stellvertreter wurde Wolfgang Heinz). Unermüdlich ging er zu Versammlungen, diskutierte, schrieb Artikel, Aufrufe und Flugblätter. Und er lebte seine Über-zeugungen: Er teilte seine Gage und gewährte mittellosen Kollegen Unterkunft in der kleinen Wohnung, die das Ehepaar bewohnte.

Vier Wochen nach der Machtübertragung an die Nazis, am 27.02.1933, erhielt Hans Otto vom neuen Theaterleiter das Kündigungsschreiben. Eine Weiterbeschäftigung unter der Voraussetzung, dass er dem Kommunismus abschwöre, lehnte er ab. Sofort bekam er Angebote von Max Reinhardt in Wien, aus Prag und Zürich. Doch Hans Otto entschloss sich, den illegalen Kampf gegen den Faschismus im Lande auf-zunehmen.

Am 13. November 1933 wurde er in einem Café am Victoria-Luise-Platz von der SA festgenommen und über verschiedene Stationen, an denen er trotz eigener Wunden Mithäftlingen Mut und Trost zusprach, in das Gestapo-Hauptquartier in die Prinz-Albrecht-Straße gebracht.
Von Anfang an wurde er – bis zur Bewusstlosigkeit – geschlagen und getreten, um die Namen seiner Genossen zu erpressen. Hans Otto sagte nichts. Er blieb trotz aller Folterungen standhaft; was seine Peiniger in höchste Wut versetzte. Schließlich brachten sie ihn in eine SA-Kaserne in der Voßstraße, wo er sich nach einem weiteren „Verhör“ nicht mehr rührte. Um einen Selbstmord vorzutäuschen, stürzten sie ihn aus dem dritten Stockwerk. Am 24. November 1933 starb er in einem Krankenhaus an seinen Verletzungen. Propagandaminister Goebbels verbot die Bekanntgabe seines Todes und die Teilnahme am Begräbnis, das von Gustaf Gründgens bezahlt wurde. Er wurde in Wilmersdorf auf dem Waldfriedhof Stahnsdorf beerdigt.

Seit dem 4. September 1974 trägt eine Straße im Prenzlauer Berg den Namen Hans Otto, um die Erinnerung an ihn zu bewahren.

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