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[re:volt] Corona-Clicktivismus schafft keine Klimagerechtigkeit

© Markus Spiske

Corona-Clicktivismus schafft keine Klimagerechtigkeit

Die Autor*innen stellen mögliche Strategien und Handlungsmöglichkeiten für die Klimabewegung an, da die geplante Massenaktion „Shell Must Fall“ des Bündnisses Code Rood in Den Haag nicht wie geplant im Mai stattfinden kann. Viele Aktivist*innen hatten den Termin bereits im Kalender freigehalten und sich über den Themenkomplex der fossilen Industrie informiert. Das lässt sich nun nutzen.

Inmitten der Corona-Pandemie erleben wir eine Welle des aufkommenden Online-„Aktivismus“. Für viele Menschen ist damit die Hoffnung verbunden, sich dabei politisch sinnvoll betätigen zu können. Dies führt bei einigen zu einem Rückzug ins Internet, da das Netz in vielen Ländern einen der letzten verbleibenden öffentlichen Räume darstellt. Die virtuellen Initiativen zeigen: Auch in diesen schwierigen Zeiten sind viele Menschen willens, sich für soziale Gerechtigkeit einzusetzen. Dennoch sind die Online-Kampagnen unzulänglich. Vielen Aktivist*innen sind sich der Problematik bewusst, dass es sich, allein historisch betrachtet, als viel erfolgreicher erweist, Unterdrückung auf anderen Wegen zu bekämpfen, als es alle Online-Likes, Shares und Views zusammen vermögen. Mit Blick vor allem auf den Bereich der niederländischen Klimabewegung, auf die Appelle an Vernunft und Gewissen, oder die offensive Verteidigung: Wie sehen Umgang und Strategien von Aktivist*innen derzeit aus?

Fossile Brennstoffe verursachen die Klimakrise, nicht ein Mangel an Likes

In den Umweltgruppen sind viele Aktivist*innen verunsichert, was während der Corona-Ausgangssperren zu tun sei. Dies führt bei einigen zu einem Rückzug ins Internet, da dieses in vielen Ländern einer der letzten verbleibenden öffentlichen Räume darstellt. Infolgedessen beobachten wir auch in diesem Bereich eine starke Zunahme von Online-Aktivitäten der Aktivist*innen. Diese fallen recht unterschiedlich in Form und Inhalt aus. Die niederländische Sektion von FridaysForFuture beschloss beispielsweise, ihren Streik am 3. April online durchzuführen. Die Aktivist*innen riefen dazu auf, Selfies mit Protestschildern in den sozialen Medien zu veröffentlichen, um damit das Bewusstsein für die Klimakrise zu erhöhen. Die Sektion von Extinction Rebellion und die niederländische progressive NGO De Goede Zaak („Die Gute Sache“, Anm. Red.) starteten eine Petition namens „Geen Poen Zonder Plan“ („Kein Geld ohne Plan“). Sie fordern von der Regierung unter anderem, Unternehmen nur dann finanziell zu unterstützen, wenn sie konkrete Pläne vorweisen, ihre Auswirkungen auf das globale Klima zu senken – etwa, indem sie ihre Investitionen in fossile Brennstoffe beenden, ihre Belegschaften schützen und in eine Green Economy investieren.

Die Initiativen zeigen: Auch in diesen schwierigen Zeiten sind viele Menschen willens, sich für soziale Gerechtigkeit einzusetzen. Dennoch sind diese Online-Kampagnen unzulänglich. Das die Aktionen dennoch unzulänglich sind, liegt an der zugrunde liegenden Strategie. Zumeist basieren sie nämlich auf der liberalen Idee des überlegenen Arguments [1], nach dem die Welt durch das überzeugendere Argument zu verändern sei. Es handelt sich um einen sehr dominanten politischen Ansatz – zumindest unter Aktivist*innen mit Universitätsabschlüssen, die nicht direkt von unerträglicher Ungerechtigkeit betroffen sind. Liberale erkennen zwar an, dass es in unserer Gesellschaft Zustände gibt, welche geändert werden müssen. Ihrer Ansicht nach brennen auch Politiker*innen, Konzerne und die Machthaber*innen nur darauf, Informationen über diese Ungerechtigkeiten zu erhalten. Wenn diese Informationen nur ihr Gehör fänden, so die Überzeugung, würden die Herrschenden eifrig zuhören und früher oder später alles in ihrer Macht Stehende zur Verbesserung der Lage tun.

Es ist keine Überraschung, dass dieser Ansatz nicht funktioniert. Obwohl der Treibhausgaseffekt in der akademischen Welt und darüber hinaus seit 1896 [2] bekannt und sehr gut nachgewiesen ist, führte dies nicht dazu, fossile Brennstoffe im Boden zu lassen. Auch hat es beispielsweise den Öl-Multi Shell nicht daran gehindert, ganze Länder zu kolonisieren, um mit dem globalen Export fossiler Brennstoffe Milliarden zu verdienen. Shell wird nicht aufhören, nur weil wir sagen, dass der Multi auf einem Irrweg ist. Er wird dann damit aufhören, wenn er von uns gestoppt wird. Hierbei bleiben aber die meisten Onlinekampagnen zahnlose Tiger.

Im Gegensatz zu dieser liberalen Auffassung von Politik besteht eine lange Tradition verschiedener radikaler Ansätze. In diesen wird vorausgesetzt, dass die Reichen und Mächtigen ihre Privilegien nicht freiwillig aufgeben werden. In jenen Ansätzen wird die gesellschaftliche Verfassung im ständigen Wandel gesehen. Die gesellschaftliche Entwicklung entfaltet sich aus Konflikten zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Akteur*innen (marxistisch: antagonistische Klassenverhältnisse). Aus den Konflikten gehen auch (unterdrückerische) soziale Strukturen hervor; zum Beispiel das Patriarchat, White Supremacy, Ableism und so weiter. Radikale streben an, diese unterdrückerischen Strukturen abzubauen, statt sie zu reformieren. Wir werden nicht auf eine bessere Behandlung warten.

Es ist ein Marathon, kein Sprint

Wir müssen demokratische Gegenmacht aufbauen, um Ungerechtigkeiten gemeinsam zu stoppen. Gegenmacht aber entsteht dann, wenn Menschen, die sich dem Kampf für ihre Befreiung verschrieben haben, zusammenkommen und untereinander verlässliche Bindungen und Beziehungen aufbauen [3]. Am Arbeitsplatz praktische Solidarität zu üben, oder ein Frauen*haus am Laufen zu halten, erfordert ganz andere Fähigkeiten als eine Onlinekampagne. Das Engagement hat damit einen länger anhaltenden Einfluss, als die Arbeit daran, einen Flashmob viral werden zu lassen.

Gegenmacht aufzubauen dauert mitunter länger als ein Bachelor-Abschluss. Es handelt sich um keinen zeitlichen Sprint, sondern um einen Marathonlauf. Um nur einige internationale Beispiele zu nennen: Die südmexikanischen Zapatistas bereiteten sich zehn Jahre lang versteckt im lakadonischen Urwald vor, ehe sie am Neujahrestag 1994 den offenen Aufstand begannen [4]. Der Revolution in der nordsyrischen Region Rojava ging jahrzehntelange Aufbauarbeit in Dörfern voraus [5]. Ganz gleich also, wie drängend der Kampf gegen Klimaungerechtigkeiten auch ist; die systematische Unterdrückung durch Patriarchat, Kolonialismus, Kapitalismus und Rassismus dauert schon seit vielen Jahrhunderten an. Es hat Ewigkeiten gedauert, diese Unterdrückungssysteme zu entwickeln. Für ihre Abschaffung benötigen wir einen wahrscheinlich ebenso langen Atem [6].

Gegenmacht aufzubauen heißt, langfristige tragfähige Strukturen des Widerstands zu schaffen. Während wir diesen „radikalen“ Artikel über radikale Politik schreiben, bekämpft die Gulabi Gang seit über einem Jahrzehnt Missbrauch und häusliche Gewalt in Indien. Hierzu bilden Frauen Selbstverteidigungskommandos. Sie trainieren Stockkampf und gründen Nachbarschaftsgerichte, um so zugunsten der Opfer direkt gegen häusliche Gewalt vorzugehen [7]. Ein lokaleres, im Allgemeinen weithin unbekanntes Beispiel für Gegenmacht ist die Rode Hulp der 1930er Jahre in Groningen. Die Organisation half Tausenden von Kommunist*innen und Antifaschist*innen, der Verfolgung in Nazi-Deutschland zu entkommen. In Zusammenarbeit mit dem kommunistischen Untergrund in Deutschland wurde internationale Solidarität so zu einer lebensrettenden Praxis [8]. Diese Beispiele beweisen, dass selbst unter den widrigsten Bedingungen gewöhnliche Menschen Unterdrückung wirksam bekämpfen können. Was bedeuten die Beispiele aus der weltweiten Geschichte für unsere aktuelle Situation – oder anders: Was ist zu tun?

Radikal anders

Radikale Graswurzelpolitik kann nicht durch Online-Kampagnen oder Petitionen ersetzt werden. Selbstverständlich brauchen wir schriftliche und theoretische Arbeit, und diese Arbeit kann auch online entstehen oder verbreitet werden. Um uns zu organisieren, brauchen wir Infoabende, Leserunden, Texte und Debatten, online oder offline. Auch müssen Informationen über unsere Vorhaben über unsere direkten Netzwerke hinaus verbreitet werden. Für verschiedene Anlässe und Zielgruppen eignen sich dabei verschiedene Mittel und Wege – Flyer, Graffiti, Kunst, Bücher, Blogs und so weiter. Unzählige Dinge können wir auch jetzt tun, ohne eine große Menschenmenge auf einmal versammeln zu müssen. Seien wir kreativ!

In anderen politischen Kämpfen wird hier bereits mit viel Kraft vorgelegt: Im norditalienischen Mailand initiierten Militante die Brigade Volontarie per l’emergenza, die armen Menschen angesichts des sozialen Zusammenbruchs, der mit der Corona-Krise und einer gleichgültigen Regierung einherging, Unterstützung anbietet. Unterdessen streiken Erwerbstätige in ganz Italien für Gesundheitsschutz und soziale Sicherheit, und es kommt zu einer Welle von Gefängnisrevolten. Radikale in Venedig und vielen anderen Städten organisieren Netzwerke gegenseitiger Hilfe, die sich vor allem auf prekäre Arbeitnehmer*innen im Logistiksektor, in Callcentern und der Landwirtschaft konzentrieren. In Frankfurt am Main und an vielen anderen Orten wurden Kundgebungen, mit der Forderung, die Festung Europa zu öffnen, organisiert: #LeaveNoOneBehind im Mittelmeer. Die Demonstrant*innen standen dabei im öffentlichen Raum im Abstand von jeweils 2,50 Metern. Geflüchtete Frauen*, die in einem überfüllten Lager auf der griechischen Insel Lesbos festsitzen, begannen damit, Gesichtsmasken zu nähen. Gleichermaßen für Geflüchtete, wie auch für die griechischen Inselbewohner*innen.

Unsere Erkenntnis: Diese Aktivitäten basieren auf bereits bestehenden Beziehungen und Strukturen und erreichen deshalb weit mehr als reine Internetagitation. Solange das gegenwärtige Onlinefieber zudem auf liberalen Ideen gründet, werden wir damit keine Klimagerechtigkeit erreichen. Als Radikale wollen wir Gegenmacht aufbauen, die in den Communities verankert ist, um Unterdrückung zu beenden. Onlinetools können bei radikalen Bildungs-, Organisations- und Mobilisierungsstrategien helfen, aber sie sind kein Selbstzweck.

Was ist radikale Klimapolitik?

Im Herbst 2018 hatte die deutsche Polizei enorme Schwierigkeiten bei der Räumung des Hambacher Forsts. Nachdem Hebebühnen, glücklicherweise ohne Personenschaden, abgebrannt waren, trauten sich Leihfirmen in Deutschland nicht mehr, der Polizei Hebebühnen für die Räumung der Baumhäuser zu vermieten. Schließlich konnte die deutsche Polizei dann doch noch, in den Niederlanden bei der Firma Boels, Hebebühnen mieten – offensichtlich außerhalb der Reichweite von deutschen Umweltautonomen. Beispielhaft ließe sich der Radius dieser Form von autonomer Gegenmacht über Landesgrenzen hinweg deutlich durch den Aufbau von internationalen und vertrauensvollen Beziehungen der Klimabewegung im Stil der historischen Roden Hulp erweitern. Außerdem wird hier deutlich, dass selbst fossile Großkonzerne wie RWE oder Shell sehr verwundbar sind. Ohne kooperationswillige Geschäftspartner*innen können die Multis offensichtlich noch nicht einmal eine Hebebühne zum Fensterputzen ausleihen. Auch in Corona-Zeiten lassen sich derartige Zusammenhänge recherchieren und mögliche Aktionen vorbereiten.

Zahllose weitere Beispiele bietet die Geschichte und Gegenwart der Anti-Atombewegung. So gaben Wendlandveteran*innen 2017 auf einem Klimacamp Gleisblockade-Workshops. Aus persönlichen Beziehungen erwuchsen so Strukturen von Gegenmacht. Diese Beziehungen müssen auch in Corona-Zeiten gepflegt und ausgeweitet werden. Warum nicht in Corona-Zeiten als Erntehelfer*in auf den Feldern um die Kohlekraftwerke herum anheuern und so die Gegend besser kennenlernen?

Mittelfristig versprechen gemeinsame Kämpfe von Klimaaktivist*innen und den wohlwollenden Teilen der Belegschaften von Shell (und Konsorten) Erfolge. Hierzu braucht es konkrete, ausgearbeitete Entwürfe für eine radikale Abwicklung fossiler Industrien und die zeitgleiche Entwicklung attraktiverer, interessanterer und sinnvollerer Arbeitsplätze, welche auf eine sozial und ökologisch wünschenswerte Zukunft hinwirken. Die Ausarbeitung solcher Projekte und die nötige Recherchearbeit sind auch in Coronazeiten sehr gut möglich – jetzt vielleicht hier und da sogar mehr denn je. Letzten Endes liegt die Macht in jedem Unternehmen bei den Arbeitenden: Sollten mal die Kohlebaggerfahrer*innen streiken, ist Ende Gelände! auch ohne Massenaktion möglich. Doch die Lohnabhängigen im Bergbau werden sich erst auf die Klimabewegung einlassen, wenn diese ihnen eine bessere Zukunftsstrategie bieten kann (als die fossilen Konzerne). Lokführer*innen, die Kohlezüge fahren, können genauso gut andere Güter- oder Personenzüge fahren. Mechaniker*innen oder Techniker*innen aus den fossilen Industrien könnten stattdessen Straßenbahnen, Fahrräder oder landwirtschaftliche Geräte instandhalten. Ingenieur*innen könnten anstatt neuer Projekte, den Rückbau fossiler Infrastruktur und deren Entsorgung und Recycling planen und überwachen. Wie die Coronakrise zeigt, hat auch der Staat genug Geld für alle möglichen Transformationsprozesse, solange der politische Druck vorhanden ist. Warum nicht eigentlich für die Abwicklung von Shell und Co.?

Handlungs-Perspektiven in Zeiten von Corona

Wir müssen uns zusammen auf die Seite der Unterdrückten stellen und eine umfassende Analyse der politischen Situation leisten. Diese wird uns schließlich helfen, erfolgreiche Strategien zu entwickeln, um den Status Quo anzugehen – und zwar während, wie auch nach Corona – oder vor dem nächsten Ausnahmezustand. Die Ausbeutung von Communities und natürlichen Ressourcen zwecks Profit durch den globalen Neoliberalismus geht weiter. Shell und Konsorten etwa werden weiterhin in der Erde herumbohren, ganz gleich, ob wir bestens informiert allein zu Haus sitzen oder nicht.

Da Versammlungen und Massenaktionen in den bisherigen Formaten gerade nicht durchsetzbar sind, scheint die Stunde der Kleingruppenaktionen geschlagen zu haben: Aus Freundeskreisen können in den eigenen vier Wänden Bezugsgruppen geformt, je nach Wollen und Können vielseitige Aktionen vorbereitet und durchgeführt werden. Auch in Corona-Zeiten sind Spaziergänge möglich. Die perfekte Gelegenheit, um fossile Infrastruktur auszukundschaften. Davon gibt es nämlich sehr viel in Stadt und Land. Nicht nur die Aktionär*innenversammlung macht Shell als Konzern aus, sondern auch jede Menge andere Gebäude, Anlagen, Verladestationen und so weiter. Scouting, Recherche und Vorbereitung lassen sich gut direkt heute noch angehen. Die Umsetzung von Kleingruppenaktionen gelingt derzeit vielleicht noch besser als sonst – und auch künftige größere Aktionen können schon jetzt vorbereitet werden.

Bislang ungeschlagene Champions in der praktischen Abwicklung fossiler Industrie sind die seit 2016 aktiven Niger Delta Avengers (NDA). Die Avengers sind eine klandestine, gut (aus-)gebildete Guerillaeinheit, welche organisiert und systematisch vorgeht: Mittels leichter Waffen und Schnellboote zerstören sie die Erdölinfrastruktur von Shell und Chevron in Nigeria. Ihr Ziel ist es, den Export von Erdöl aus Nigeria gänzlich zu stoppen und Kompensationen für die jahrzehntelangen Zerstörungen durch die Erdölförderung zu erzwingen. Aufgrund ihrer Angriffe sank der Erdölexport Nigerias so tief wie seit 20 Jahren nicht mehr – zeitweise um über 40 Prozent [9]. Es ist auch in unseren Breitengraden unmöglich, sämtliche fossile Infrastruktur lückenlos vor Angriffen der Klimabewegung zu schützen. Wer lange genug sucht, wird Schwachpunkte finden: Online oder offline.

Weltweit sind tagtäglich Menschen auf unterschiedliche Weise im Kampf gegen die Zerstörung von Natur- und Lebensgrundlagen, sowie die Klimakrise aktiv. Was wird erst möglich werden, wenn sich all diese Kämpfe besser miteinander verknüpfen, um gegen das fossile Kapital und dessen Verbrennen fossiler Ressourcen vorzugehen? Von der Dakota-Access-Pipeline in Nordamerika zu den Anti-Steinkohle-Kämpfen von Indigenen in Kolumbien oder Australien, bis hin zur Erdölförderung in Nigeria, den Raffinerien in den Niederlanden, oder deutschen Tagebauen und Kraftwerken? Den Plan für die neue Klima-Internationale können wir schon mal zu Hause aushecken; und ebenso die Vernetzung mit Mitstreiter*innen und Genoss*innen weltweit.

Wir bereiten uns vor. Wir organisieren uns [10]. Wir werden versuchen, scheitern, reflektieren, weiter versuchen…und kämpfen, bis wir gewinnen!

Merel ist seit Jahren in der niederländischen Klimabewegung aktiv. Jakobus arbeitet in der ökologischen Landwirtschaft und nimmt an Aktionen der Klimabewegung teil. Eine Version ihres Artikels erschien unter „Corona Clicktivism Does Not Bring Climate Justice“ auf der Seite des Bündnisses Code Rood.

Anmerkungen

[1] Im gesamten Text beziehen wir uns auf das Gegensatzpaar liberal / radical, welches im Englischen weiterverbreitet ist als im Deutschen. Die Begriffe reformistisch / revolutionär, oder linksliberal / linksradikal sind mögliche Annäherungen. Das Gegensatzpaar Liberal / Radikal wird ausführlich von Lierre Keith im Buch „Deep Green Resistance“ dargestellt: S.61-112 (2011) von Aric McBay, Lierre Keith und Derrick Jensen. Seven Stories Press. New York. Das Buch ist auch online vollständig einsehbar. Eine kürzere Zusammenfassung auf Deutsch findet sich auf S.150ff. in „Nachhaltig aktiv sein und bleiben“ (2019) von Timo Luthmann. Unrast Verlag. Münster.

[2] Der schwedische Wissenschaftler Svente Arrhenius publizierte als Erster 1896 einen wissenschaftlichen Artikel, in dem er den Einfluss von industriell ausgestoßenem CO2 auf die Erdatmosphäre berechnete: „On the Influence of Carbonic Acid in the Air upon the Temperature of the Ground“. In: Philosophical Magazine and Journal of Science Series 5, Volume 41, April 1896, pages 237-276. Die deutschen und englischen Wikipedia-Artikel geben einen Überblick über sein Leben.

[3] Die „11 Thesen“ vom Kollektiv! Bremen bieten einen inspirierenden Vorschlag für eine revolutionäre Organisierung in der Gegenwart. Mit dem Fokus auf Bewegungen für Klimagerechtigkeit bietet das auch das Broschürenprojekt Organizing Cools the Planet aus Nordamerika und die deutsche Adaption Wurzeln im Treibsand von ausgeco2hlt.

[4] Die Website der EZLN in mexikanischem Spanisch und ihr mehrsprachiger Radiosender.

[5] Zur Geschichte der kurdischen Freiheitsbewegung in Rojava ein Artikel des kurdischen Studierendenverbandes YXK.

[6] Bereits 2009 veröffentlichte die Bundeskoordination Internationalismus (Buko) hierzu den Artikel „Vergesst Kopenhagen, die Katastrophe ist längst da„. Darin wird ein vorschneller „Katastrophismus“ kritisch hinterfragt.

[7] Zur Website und Videos der Gulabi Gang.

[8] Rode Hulp – De opvang van Duitse Vluchtelingen in Groningerland 1933-1940 von IPSO-geschiednisgroep Groningen (Redaktion: Ruud Weijdeveld). 1986. Groningen. Seit letztem Jahr ist auch eine deutsche Übersetzung erhältlich: IPSO-Geschichtsgruppe Groningen. Rode Hulp (Rote Hilfe) Die Aufnahme deutscher Flüchtlinge im Groningerland 1933-1940. 2018. Hans-Gerd Wendt.

[9] Mehr Infos dazu auf deren Homepage, sowie beim britischen Guardian, oder der BBC.

[10] Für konkrete erste Schritte zur Gründung einer Klimagruppe empfehlen die Autor*innen die entsprechende Broschüre der interventionistischen Linken (iL). Und zur weiteren Organisierung unter dem Ausnahmezustand einer Pandemie diesen Artikel (Stromversnellers, Campagne voeren in een Pandemie).

 


 

Zum Artikel

Kurzinfo:
Die Corona-Pandemie begünstigt den aktivistischen Rückzug in Online-Medien und Soziale Netzwerke. Das ist politisch aber problematisch, wenn es Handlungs-Alternativen abseits davon unsichtbar macht. Ein Debattenbeitrag aus der Klimabewegung.

Autor*innen:
Jakobus Mühlstein & Merel Smit

 


 

Quelle: www.revoltmag.org/articles/corona-clicktivismus-schafft-keine-klimagerechtigkeit/

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